A sneak peek of the text in the book:

The Old »New Soft Focus« by Hubertus Gaßner

 

We know of Johann Wolfgang von Goethe that he refused to wear glasses in old age in order to be able to have more acuteness of vision. He was convinced that one would see too much detail with perfect eyesight and would lose one's view of the big picture.

 

The distraction caused by minor unimportant details would inhibit the ability of concentrating on the important. In his time Goethe did not stand alone with this opinion. But only a few decades after his death, the world marveled at the precision with which the new invention of photography could record even the smallest details with a before unknown sharpness of image and display it to its beholder. Now people could calmly study photographs – even with a microscope – and discover minutiae which would have escaped their glance while on a stroll through the countryside or a bustling big city...

 

... Without a megalopolis and the impressions it obtrudes, Nicole Hollmann's »Out of Focus« photos may not have come into existence. They answer the question Ludwig Wittgenstein asked in his »Philosophical Investigations« in §71: »Isn't the out of focus picture often just what we need?«

Hubertus Gaßner

 

Art historian, curator, author and editor of publications on art.

 

1981-1991 assistant professor of art history at the Kunsthochschule Kassel. 1971-1981 active member of Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, Berlin; organizer of numerous exhibitions. 1989-1992 acting manager of the documenta Archive in Kassel. 1993-2002 main curator at the Haus der Kunst in Munich. 2002-2005 managing curator at the Museum Folkwang. 2006 - 2016 Managing curator at the Hamburger Kunsthalle.

Eine kurze Vorschau aus dem Buchtext:

Die alte »neue Unschärfe« von Hubertus Gaßner

 

 

Wir wissen von Goethe, dass er im Alter sich weigerte, eine Brille zutragen, um schärfer sehen zu können. Bei zu großer Sehschärfe sähe man viel zu viele Einzelheiten, wodurch das große Ganze aus dem Blick gerate.

 

Die Ablenkung durch nebensächliche und unwichtige Details verhindere die Konzentration auf das Wesentliche. Mit dieser Meinung stand Goethe zu seiner Zeit nicht alleine. Doch nur wenige Jahrzehnte nach seinem Tod bewunderte man in der neu erfundenen Fotografie gerade ihre Möglichkeit, auch noch die kleinsten Details mit bisher unbekannter Bildschärfe aufzuzeichnen und für den Betrachter wiederzugeben. So konnte er beim ruhigen Studium der Fotografien – gerne auch mit dem Mikroskop – Einzelheiten entdecken, die seinem Blick beim Gang durch die Natur oder durch das Gewimmel der Großstadt stets entgangen waren...

 

... Ohne Megalopolis und die sich hier aufdrängenden Impressionen wären diese unscharfen Aufnahmen von Nicole Hollmann kaum entstanden. Sie bestätigen die von Ludwig Wittgenstein in seinen »Philosophischen Untersuchungen« im §71 gestellte Frage: »Ist das unscharfe Bild nicht oft gerade das, was wir brauchen?«

Hubertus Gaßner

 

 

Kunsthistoriker und Kurator sowie Autor und Herausgeber kunstwissenschaftlicher Publikationen.

 

1981-1991 war er Assistenzprofessor für Kunstgeschichte an der Kunsthochschule Kassel. 1971-1981 war er aktives Mitglied in der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK), Berlin; Organisation zahlreicher Ausstellungen.1989-1992 leitete er das documenta Archiv in Kassel.1993-2002 war Hubertus Gaßner Hauptkurator im Haus der Kunst in München, 2002-2005 Direktor des Museum Folkwang in Essen. 2006 - 2016 Direktor der Hamburger Kunsthalle.

Based in Hamburg / Germany.

 

© 2017 Nicole Hollmann  /  updated: 2017-07-18   imprint